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Kapitel 2: Formensprache - Die Formen, aus denen Dorf, Haus und Hof bestehen
Darum geht’s:
Einfache und besondere Bauformen, Dachformen, Anbauten
Formen sind Fixpunkte der Wahrnehmung. Sie sind die unmittelbar erkennbaren Körper und Umrisse baulicher Objekte. Beim Blick auf Städte, Märkte und Dörfer im Landkreis Schweinfurt ist eine Kirche klar von einem Wohnhaus zu unterscheiden oder ein Backhaus von einer Schule. Gemeinsam ergeben die Formen in den Siedlungen eine typische fränkische Formensprache. Die überlieferte Formensprache in unserer Region zeigt ein einfaches und schlichtes Bauen, welches in seiner Funktionalität und Ästhetik zeitlos ist. Es gilt, diese Werte bei Umbau und Sanierung beizubehalten und im Neubau modern umzusetzen. Hier einige Tipps wie dies gelingt.
Unsere Tipps für Bauherrinnen und Bauherren
- Bei Umbau und Sanierung sollte der historische Baukörper möglichst ursprünglich erhalten bleiben. Verzichten Sie deshalb auf starke Veränderungen am Bestandsgebäude, auch wenn Sie zusätzlichen Raum benötigen. Moderne Ergänzungen oder Blickfänge sind aber keineswegs gänzlich verboten, sondern oft sogar besser geeignet als historisierende Formen und Elemente. Im hinteren Bereich des Grundstücks werten Anbauten wie auch Balkone oder Wintergärten die Wohnqualität auf, während zur Straße hin das einheitliche Bild der strukturgebenden Formen gewahrt bleibt.
- Wählen Sie beim Neubau bewusst klare, eindeutige Formen. Nutzen Sie den Wiedererkennungswert der fränkischen Bauten: Kombinieren Sie Baukörper mit längsrechteckigem Grundriss und steilen Dächern und verzichten Sie auf Vor- oder Rücksprünge im Grundriss. Ihr Neubau überzeugt dadurch nicht nur mit einer schlichten Zeitlosigkeit, eine einfache Konstruktion spart auch Baukosten und die kompakte Gebäudeform ist langfristig hinsichtlich der Energieeffizienz klar im Vorteil.
- Historische Bauernhäuser und moderne Einfamilienhäuser sind in unserer Region ein- bis zweigeschossig, dann folgt das Dach. Behalten Sie diese Höhen bei Ihrem Bauvorhaben bei. Achten Sie bei allen Gebäuden auf eine gleichmäßige Betonung der Geschosse, so fügt sich Ihr Bauvorhaben hinsichtlich Proportionen und Gebäudehöhe ins gleichmäßige Bild der Nachbargebäude ein.
- Machen Sie beim Dach alles richtig, indem Sie sich ob bei Neubau oder Sanierung für ein steiles Satteldach mit einer Neigung ab 42 Grad, optimal ab 48 Grad entscheiden. Wählen Sie möglichst ruhige und geschlossene Dachflächen und den typischen knappen Dachüberstand, sowohl am Giebel als auch an der Traufe. Für mehr Licht und Raum unter dem Dach sind Einzelgauben zu wählen, die in ihrer Größe deutlich dem Hauptdach untergeordnet sind. Dabei sind sowohl Schlepp- als auch Stand- oder Giebelgauben eine gute Wahl. Verzichten Sie dagegen auf Gaubenbänder. Zwerchhäuser sollten für ein stimmiges Gesamtbild sorgsam auf den Baukörper abgestimmt werden. So kommt Ihr Dach schlicht zur Geltung.
- Achten Sie bei der Planung von Neubauten als Ersatz für Wohn-, Wirtschaftsgebäude oder Scheunen darauf, dass diese in Grundriss und Gebäudehöhe den historischen Vorgängerbauten folgen. So bleiben der Charakter des Straßen- und Ortsbildes sowie die Raumaufteilungen und -wirkungen erhalten. Orientieren Sie sich beim Neubau in einer vorher unbebauten Baulücke an den typischen Formen und Proportionen der Nachbarhöfe.
Baukultur
Aw: Kommentar architektur + ingenieurbüro perleth
Hallo Frau Wichmann, vielen Dank für Ihr Feedback. Neubau ist ein wichtiges Thema, wir nehmen Ihre Hinweise zu guten Beispielen für gelungene Neubauten gerne auf. Viele Grüße Ihr Moderatorenteam
Aw: Kapitel 2: Formensprache - Die Formen, aus denen Dorf, Haus und Hof bestehen
Für alle Kapitel erstmal ein grundsätzliches Lob. Dennoch möchten wir als "Erstbauberater" zu einigen Dingen ergänzende Anregungen / Anmerkungen geben... Aus unserer Sicht ist es schade, dass so wenige Bilder von gelungenen ortsbildverträglichen Neubauten (gilt für alle Kapitel) im Handbuch sind. Immerhin ist gerade für die Berater das "Thema" oftmals das anstrengendste in der Diskussion! Vielleicht sollten zusätzlich Tips mit Schwerpunkt auf die moderne Interpretation regionaltypischer Bauweisen (z.B. Haus I von hjp architekten in Grafenrheinfeld oder das Weingut Möslein in Zeilitzheim von Jäcklein Architekten) gegeben werden. Unserer Meinung nach kann man sich auch was trauen, allerdings muss dann die Qualität der Architektur im Vordergrund stehen. Wir sind uns bewusst, dass beide Beispiele in einigen Dingen (wie z.B. Fenster) den beschriebenen Kapitel widersprechen. Aber Baukultur ist auch GUTE moderne Architektur.